9 DAS NEUE REICH 

91 (Gedichte hymnischer Art) 9101-17 
92 (Gespräche) 921-4 
93 SPRÜCHE AN DIE LEBENDEN 9301-43 
94 SPRÜCHE AN DIE TOTEN 941-8 
95 DAS LIED 9501-12 

91 (Gedichte hymnischer Art) 9101-17 

Der begriff „Gedichte hymnischer Art" wurde aus M übernommen. 

9101 GOETHES LEZTE NACHT IN ITALIEN

9102 HYPERION I 

9103 HYPERION II 

9104 HYPERION III 

9105-8 AN DIE KINDER DES MEERES I

Diese ode mit ihren ursprünglich drei abschnitten entstand spätestens zu beginn des jahres 1914 - laut M im frühjahr 1913 -und ganz offensichtlich in Italien. Als George im frühjahr 1914 eine abschrift an Morwitz in Berlin schickte ergänzte dieser das werk um den NACHKLANG den George als vierten teil in die gesamtausgabe aufnahm. Die drei eigentlich ganz unterschiedlichen knaben die in jeweils einem der drei ersten teile angesprochen werden hatten eines gemeinsam: sie waren an küsten geboren worden. Es wird angedeutet dass ihnen das fernweh oder etwas unfassbares fremdartiges sozusagen in die wiege gelegt war und sie deshalb schwer an den Kreis zu binden waren. Das bedeutsame dieser drei gedichte und ebenso des NACHKLANGS liegt darin dass alle drei davon völlig unberührt behutsam liebevoll angesprochen werden ohne dass sich enttäuschung oder gar vorwürfe geltend machen würden. 

9105 AN DIE KINDER DES MEERES I

Auf den dreizehnjährigen Hans Troschel waren George und Morwitz im herbst 1912 in Berlin getroffen als er nach dem turnunterricht auf dem nachhauseweg war. George erwirkte bei den eltern - einer ärztin und einem bauingenieur und marinebaurat - die erlaubnis fotografien von dem auffallenden jungen anfertigen zu lassen. Bei dieser gelegenheit kam es zu einem gespräch zwischen Morwitz und dem vater der einige einzelheiten zu seinem - genau wie Morwitz der im gedicht der „Nächste Liebste” genannt wird - in Danzig geborenen sohn mitteilte. Bedingt durch den beruf des vaters hatte die familie einige jahre in der deutschen kolonie Kiautschou gelebt (die ja als marinestützpunkt ausgebaut wurde). Der vater starb wenig später und die mutter zog mit dem jungen fort ohne dass es zu einem weiteren nennenswerten kontakt gekommen wäre. Morwitz der sich sehr darum bemühte spricht von der „lionardesken (also an die bilder Leonardo da Vincis erinnernde) Seltsamkeit dieses Kindes mit hellblondem Haar, einer nördlich hohen Stirn und kühlen, rätselhaften Augen”. - „Was und wie er dachte, war nicht zu ergründen”.

I, 9 Goldperlen : am ostseestrand bei Danzig kann bernstein mit seinen einschlüssen aus „unerforschter welt” gefunden werden. 

I,20 frommer tage : es kam an den - ohnehin ganz wenigen - tagen der begegnung nicht einmal in gedanken zu formen übergriffigen verhaltens. 

Bevor der junge erst im fünften vers angesprochen wird gelten die gedanken des sprechers dem meer das er ursprünglich ehrte dann aber mied. M berichtet dass George sich in starkem wind nie wolfühlte. Im gedicht findet sich statt solcher indiskretionen als erklärung die „scheu”: aus ehrfurcht habe der sprecher sich vom meer ferngehalten. Damit wird die auffassung verständlich dass dieser knabe - hier immerhin als wunder bezeichnet - nicht anders als der damals fünfundzwanzigjährige Morwitz als entgelt des meeres für die ihm entgegengebrachte haltung · die wogen als wohlwollende „mitläufer” auf der lebensfahrt des sprechers verstanden werden. Die folgenden zeilen fangen das auftreten des jungen ein zu dem auch ein besonderer gang gehört. Eine rolle spielen auch seine unergründlichkeit und distanziertheit. „Den heftigen zauber” erklärt das gedicht zum einen mit seinem aufwachsen „im fabelland” (China) · vor allem aber mit dem geradezu verschwenderischen vorhandensein der merkmale eines nordischen rassetypus den man in dieser reinheit nicht mehr zu finden glaubte. Auch Morwitz - der jude - spricht ganz ähnlich von dem „viel bewunderten Blut der Nordgermanen”. Diese denkweise ist zeittypisch · viel älter als der nationalsozialismus und hat mit rassistischem fanatismus nicht das geringste zu tun. Nur gab es in den zeiten als George das gedicht und Morwitz seinen kommentar schrieb noch keine versuche  die anwendung des rassebegriffs auf menschen zu verbieten. Es ist auffallend wie deutlich George in dem jungen eine neigung zur seefahrt und zu abenteuern erkennt. Dieses fernweh scheint Troschel in der tat nicht fremd gewesen zu sein. Er studierte am Weimarer Bauhaus erteilte unterrricht im segelflug und wurde kunsterzieher an gymnasien · aber als einige seiner holzschnitte zeichnungen und ölbilder als entartet galten lebte er in den späten dreissiger jahren ohne pass und geld in Albanien. Nach der italienischen invasion erstellte er im auftrag der regierung illustrierte dokumentationen zu kulturgegenständen des landes. Bei der rückkehr wurde er 1940 inhaftiert und kam danach als soldat in das nun von der wehrmacht besezte Albanien zurück wo er desertierte und blieb bis ihn die kommunisten erneut ins gefängnis und in arbeitslager steckten. Mitte der fünfziger jahre erteilte er nach seiner freilassung wieder unterricht am gymnasium. Weder im gedicht noch in Ms kommentar gibt es einen hinweis darauf dass Troschel als die verkörperung eines göttlichen aufgefasst würde. 

9106 AN DIE KINDER DES MEERES II

II,1 der Ewigen milde : bedeutet hier wie im mittelhochdeutschen „freigiebigkeit”. Der sich dort am strand aufhaltende knabe erscheint damit als ein geschenk der götter. 

II,5 vor der güldnen alter erzgebild : gemeint sind die goldenen zeitaltern zugeschriebenen griechischen bronzen in Neapels museen oder auch nur die bronze des „Himmelsboten” Hermes. 

II,6 füsse : laut M als ersatz für das „undichterische” wort „beine” gedacht.

Über den zweiten jungen ist beinahe nichts bekannt. M weiss dass George ihn am strand einer bucht in der nähe von Neapel sah - an einem strand den sich wie das gedicht sagt die götter ausgewählt hätten - und „einen Abglanz der Griechen” die Neapel gründeten in ihm zu erblicken glaubte. Vom rauch des Vesuvs ist ja auch im gedicht die rede. Wie also Hans Troschel als spätestes zeugnis nordgermanischen einflusses beachtung fand wird auch der neapolitanische knabe als relikt einer weit zurückliegenden vergangenheit geschäzt · als „zögling dieser erd" (und damit gar nicht als kind des meeres) angesprochen und deshalb in gedanken aufgefordert - in wahrheit soll George kein wort mit dem jungen gesprochen und daher auch namen und herkunft nicht gekannt haben - sich in den „ufertempel” oder vor jene antike bronze des götterboten Hermes zu stellen die George - wie M weiss - in einem museum Neapels sah und wegen der körperproportionen besonders schäzte. So soll offenbar das auf anbetung gerichtete bedürfnis des sprechers erfüllt werden - der aber zugleich spürt dass dieser junge mit seinen langen schwarzen wimpern allzu viel macht auszuüben vermag so „wie der herr von tod und leben” der seelen an einem faden hinter sich herziehen kann (ein vergleich der nach Georges eigenen worten auf vorstellungen über den indischen todesgott Rama zurückging). Hierfür wird sogleich ein exemplum gegeben: anzeichen eines möglichen vulkanausbruchs werden nicht ernst genommen sondern auf den an diesem tag ungewohnt betrübten gesichtsausdruck des knaben zurückgeführt. Die anzeichen einer überhöhung fallen hier deutlich stärker aus. Ohne scham" soll er sich in den ufertempel stellen: das mag eine aufforderung sein sich auch durch nacktheit der götterstatue anzugleichen. Ob er dann wirklich wie ein gott  aussieht oder vielleicht nur an eine Gloedensche postkarte aus Sizilien denken lässt? George wird darin eben gerade keinen grossen unterschied gesehen haben. Denn die eigentliche botschaft lautet doch: dieser junge grieche aus italien bräuchte keine scheu zu haben sich neben dem gott zu zeigen dem er ebenbürtig ist. Kleinlich die frage nach der kleidung zu stellen könnte man sich hingegen sparen. 

9107 AN DIE KINDER DES MEERES III

III,9 fron : meint hier einen zwang

Woldemar Graf von Uxkull-Gyllenband wurde nicht immer so herzlich angesprochen wie in diesem gedicht: das beweisen die an ihn gerichteten aber etwas später entstandenen SPRÜCHE (93). Er wurde in der nähe von Genua geboren - also gar nicht weit vom entstehungsort des gedichts entfernt wenn dieses in Camogli zu papier gebracht wurde. Dorthin war George mehrmals gereist und so rühren die landschaftlichen schilderungen aus eigener anschauung.

„Lang gehegt” wurde er tatsächlich denn Morwitz hatte mit seiner erziehung schon begonnen als er acht jahre alt war. Er wurde wie sein jüngerer bruder Bernhard schon bald danach George vorgestellt und besuchte ihn dann regelmässig. Die freuden die der knabe dem Dichter machte und die ihm selbst gar nicht bewusst waren - etwa mit seinen fragen seinem sanften lachen oder wenn er ihn der schon auf den „ersehnten kömmling” wartete zu spaziergängen abholte - werden ausdrücklich erwähnt. Nun aber - Woldemar war zur zeit der entstehung des gedichts sechzehn jahre alt - richtet sich der blick kurz auf die schöne gestalt des bald erwachsenen · dann aber auf seine zukunft mit ihren offenen fragen und der anstehenden lösung Woldemars aus der obhut nachdem er in der langen gemeinsamen zeit wie zu einem familienmitglied wurde (wenn nur der vergleich im zusammenhang mit George nicht so schmerzhaft hinken würde). „Macht-rühmlicher” ist als übersetzung seines namens aus dem althochdeutschen zu verstehen. Woldemar wird hier als „göttersohn" angesprochen aber gewiss nicht als göttliche inkarnation dargestellt. Wer an die ihm geltenden SPRÜCHE denkt wird sicher sein: so spricht man nicht mit einem gott. Das gedicht deutet aber an dass es anders hätte kommen können.

9108 AN DIE KINDER DES MEERES IV NACHKLANG

Der von ihm gedichtete NACHKLANG sei ein „Echo zu der Ode” (M) und ist folglich deren bekräftigung - aber auch eine gewisse korrektur. In den mittleren drei der fünf strofen werden die knaben der ode in gleicher reihenfolge angesprochen. Die beiden äusseren strofen umrahmen diesen eigentlichen inhalt mit der schilderung des zunehmend aufgewühlten meeres das zulezt alle drei mit sich reisst. Die lezten drei verse der ersten strofe schliessen echoartig (oder eben wie ein nachklang) auch die fünfte ab mit einem schon beinahe zu überladenen aber doch eindrucksvollen bild: einem knaben der ernst - der krieg steht bereits vor der tür - eine muschel ans ohr hält und dabei dem „lied der wellen” lauscht die die „seele” - sozusagen die essenz dieser kinder des meeres - bewahren und preisen. Das bleibt nicht ohne wirkung: auch dieser knabe blickt schon in die ferne · so als habe er durch den nachklang dieses verführerischen lieds seine richtung gefunden. Es ist dann nur ein kleiner schritt um sich vorzustellen dass die drei angesprochenen einst ebenso dem nachklang in der muschel lauschten. 

Dass die kinder des meeres nicht die kinder Georges sein können oder müssen wird anerkannt. Auch Morwitz empfindet das kalte in den augen des ersten · das fremde in seinem gesicht dessen lächeln nicht geglaubt wird. „Dich rettet keine macht auf sichere bahn / Dich spült die woge fort die dich geboren” lautet die resignierende anerkennung stärkerer kraft. Seiner liebevollen zuwendung tut dies keinen abbruch.

II,8 der Schaumgeborenen : Aphrodite Anadyomene in deren nähe damit auch der junge aus Neapel gerückt wird. Aber schon in der ersten strofe die alle drei knaben anspricht stehen „schaum" und „meergeborene" dicht beieinander. 

Dass Morwitz den neapolitaner nie zu gesicht bekam - was er im  kommentar auch klar vermittelt - ist dem recht allgemein gehaltenen preis seiner schönheit anzumerken. Auch hier fehlt nicht der hinweis auf das in ihm verkörperte griechische erbe. Anders ist es mit dem auf Woldemar von Uxkull zu beziehenden lob: es gilt nie uneingeschränkt und weicht insofern von der  noch ausschliesslich zustimmenden sicht des George-gedichts ab. Er wurde am mittelmeer geboren und M der mit Woldemar vom neunten bis dreizehnten lebensjahr fast täglich zusammen war rätselt trotzdem über das „seltsame gemisch von glut und eis” und von „jäher kampfwut und von schlaffem stocken” das selbst die zuvor für alterstypisch erklärte „ruhe neben tat" übersteigt. Morwitz hinterlässt keine zweifel über das flüchtig-unstete und getriebene in Woldemars wesen. So klingen die lezten verse wie eine besorgte warnung und zeigen dass er damals sogar in sorge vor einem entgleiten des schwierigen lieblings war. Der aber verstand es die gunst Georges zu erwerben dem er gedichte und schmeicheleien schickte. Erst nach pfingsten 1919 sah auch George klarer dass der unbestechliche Morwitz nicht so falsch lag und reagierte ungehalten wie die an Woldemar gerichteten SPRÜCHE es zeigen. Letztendlich waren alle seiten doch geschickt genug um einen bruch zu vermeiden. 

Vielleicht hatte Morwitz das grösste verdienst daran. Seine lezte strofe kann wie ein schützendes netz für den stolpernden zögling aufgefasst werden und tatsächlich spricht er ja vom „zaubernetz" des Meergotts der den „ton der wogen" in dessen schicksal knüpft: prallend und gleitend · verrinnend und wiederkehrend findet sich der rhythmus der wellen in Woldemars wesen wieder. Die mythische überhöhung von Woldemars unzulänglichkeit war Morwitz' genialer schachzug. Er interessierte sich wenig für eine ausrufung neuer götter · musste seinem gedicht aber für George reiz verleihen. So liess er Hans Troschels blondes haar wirkungsvoll im abendrot leuchten - gab aber den für aussichtslos erkannten kampf verloren. An dem gut aussehenden unbekannten aus Neapel hatte er gar kein interesse · wusste aber schön zu fügen was George über ihn hören wollte. Nur Woldemar war Morwitz wichtig. Seine begrenztheit war ihm längst bewusst · auch dass sie bald ans licht treten würde. George nicht davor zu warnen hätte Morwitz dann blind und unzuverlässig erscheinen lassen. Nichts schäzte George inzwischen mehr an dem schon sechsundzwanzig jahre alten freund als seine urteils- und leistungsfähigkeit auf pädagogischem gebiet. Ihn darin zu bestärken · George auf die unausweichliche enttäuschung vorzubereiten und den geliebten schützling doch nicht hart fallen zu sehen war die schwierige aufgabe - der NACHKLANG die lösung. Jeder andere hätte sich nicht nehmen lassen jahrzehnte danach mit genugtuung auf den erfolgreichen coup hinzuweisen. Nicht so M der frei von jeder eitelkeit seinen NACHKLANG so auffallend wortkarg abhakt und alles wesentliche verschweigt als sei es noch 1960 nur darauf angekommen dass keiner der lebenden oder toten ihm doch noch auf die schliche kam.

9109 DER KRIEG

9110 DER DICHTER IN ZEITEN DER WIRREN

9111 EINEM JUNGEN FÜHRER IM ERSTEN WELTKRIEG

9112 DIE WINKE

Nun beginnt eine sechsergruppe - oder vierergruppe wenn man die GEBETE als eines nimmt - von gedichten die nicht unmittelbar mit dem krieg zu tun haben. Unterhalb eines sterns und der initiale „M” sind den WINKEN als motto fünf verse aus Kronbergers gedicht „Erfüllung” vorangestellt die von der bald bevorstehenden geburt eines „neuen halbgotts” und dem anbruch einer zeit berichten in der endlich die ketten vergangener jahrtausende gebrochen würden. Man mag dem jugendlichen dichter die empfänglichkeit für ein zeitgefühl und die freude am dicken auftragen dramatischer farben nachsehen. Er ist noch zu naiv als dass ihn die frage skeptisch stimmte warum ausgerechnet er zeuge und verkünder einer zeitenwende ohnegleichen sein soll während zuvor unzählige generationen nur in dröger dumpfheit verdämmerten. In der jugend glaubt eben jede generation an ihre ganz besondere einmaligkeit. Deshalb hätten diese verse nicht für die ewigkeit bewahrt werden müssen zumal das von den WINKEN gebotene ja selbst kaum dezenter ausfällt.

Der name Maximin wird zwar vermieden als sei die strahlkraft längst verloschen aber schon das stichwort „tor” genügt um zu wissen von wem hier gesprochen wird. Der Dichter erinnert sich daran wie er „vom feld” - also von ausserhalb des alten  stadtkerns kommend - sich dem (Sieges)„tor” näherte wo er Kronberger zum ersten mal erblickte. Dieses erblicken versteckt sich aber hinter dem einzigen begriff „zeichen” die ihm der „Herr” sandte indes die reglose luft und der fahle himmel eine gewaltige erschütterung ankündigten an der die wie im schlaf ahnungslose bevölkerung keinen anteil nahm. 

Umso mehr empfinden sich die drei von der bedeutungsschwangeren „weltennacht” erfassten · halb aus angst halb aus verzückung einander an der hand haltenden personen - M sieht hinter den beiden hinzugekommenen Wolfskehl und Gundolf - als auserwählte apostel und bitten ihren „Herrn” ihnen die „überwucht” ihres glücks „tragbar” zu machen das aber nirgends richtig glaubhaft wird. So viel glück schon vor irgendeiner tat? Dabei machen die drei glücklichen schwalben noch längst keinen sommer und für eine zeitenwende wird diese zahl erst recht nicht genügen. Endlich erfährt auch der weniger eingeweihte leser was es zu sehen gab: das „ewige kind” (natürlich eine anspielung darauf dass Kronberger vor dem erwachsenwerden starb) dessen doch aber - jedenfalls im gedicht - eigentlich nur der erste gewahr wurde: es ist ausdrücklich vom „leibhaften” schreiten des jungen erlösers die rede das nun alle drei erblickt haben wollen. Das löst sich erst auf wenn man weiss dass gerade Wolfskehl und Gundolf persönlich mit Kronberger bekannt gemacht wurden.

In der dritten strofe sind aus den dreien schon sieben geworden die nun vom berg hinabschauen auf die rauchenden trümmer und die kranke vegetation. Die düsteren vorzeichen haben sich bewahrheitet · die „lange brache” blieb nicht aus · aber die sieben haben gleichwol - das wird dem immer noch angesprochenen Herrn versichert - ihre apostelpflichten erfüllt · die botschaft verkündet und die saat ausgebracht. Nun bleibt ihnen nur die versicherung ihres treuen ausharrens „als wächter deiner höh” bis den notzeiten - seien sie nun bedingt durch das chaos des umbruchs (was M nahelegt) oder davon eher unabhängig (und vielleicht daher „nochmals” in III,5) als widerschein des weltkriegs zu verstehen - ein ende gesezt wird. 

Für sich selbst erheben sie keine ansprüche mehr denn es ist ihnen genug den nun als „licht” des Herrn bezeichneten gesehen zu haben. Zweifellos ist das die aussage aller sieben und so vervielfältigt sich auch das dilemma der zweiten strofe in der nur zwei · nun aber schon sechs personen zu sehen vorgeben was es in der „stunde” des Herrn gar nicht für alle zu sehen gab. Denn die „winke” der eingangsstrofe erschienen nur einem - den anderen bleibt der glauben. 

Im grunde vermag WINKE nur dann zu überzeugen wenn man es als dokument des niedergangs der Maximin-idee versteht. Die erinnerung an die erste begegnung ist völlig unplastisch und wie verblasst · in der zweiten und dritten strofe gewinnt der namenlose erst recht keine konturen aber auch keine wirkungsmacht. Draussen wütet die not weiter und zumindest kein uneingeweihter kann verstehen mit welchem recht so viel aufhebens um das fantom gemacht wird - gesprochen wird ja ohnehin nur zu dem Herrn. Die schar der sieben hat ihren job erledigt und ihr pulver verschossen. Nun schwören sie nibelungentreue (wie das ganze gedicht samt motto etwas auffallend deklamatorisches hat) · aber zuversicht strömen sie nicht aus die nur noch kraftlos „harren” und vom sterben sprechen anstatt für das aufgehen der saat zu sorgen. Bestenfalls mögen sie mit glücksgefühlen hinscheiden die lediglich auf vergangenem beruhen - aber was dabei hinterlassen wird bleibt völlig offen. Viel wird es nicht sein falls nicht der „Herr” alles richtet · und dass sich künftig noch mehr den schlappen sieben anschliessen wollen kann kein leser sich vorstellen. Da hatte aus dem SCHLUSSCHOR (84) noch ein anderer geist gesprochen. So zeigen die WINKE wie Georges kraft in den kriegsjahren und durch den tod Uxkulls nachgelassen hatte.

9113 GEBETE I

9114 GEBETE II

9115 GEBETE III

9116 BURG FALKENSTEIN

9117 GEHEIMES DEUTSCHLAND

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